Glossar des Pazifismus

Der Pazifismus umfasst eine Vielzahl ethischer, politischer und philosophischer Ansätze, die Krieg und organisierte Gewalt grundsätzlich ablehnen oder stark begrenzen wollen. Im Zentrum steht die Frage, wie Konflikte zwischen Staaten und Gesellschaften ohne militärische Gewalt bearbeitet werden können. Dabei spielen sowohl individuelle Gewissensentscheidungen als auch politische Institutionen und internationale Rechtsordnungen eine Rolle. Für Pax Christi ist insbesondere auch die christliche Friedensbotschaft von Bedeutung.

Dieses Glossar erläutert zentrale Begriffe der pazifistischen Diskussion und bietet eine kurze Orientierung.

Barbara Kruger, Guggenheim Museum Bilbao/ES 2025 (Foto: M.-T. Mäder)

Abrüstung
Reduktion oder Abschaffung militärischer Waffen und Streitkräfte. Pazifistische Ansätze sehen Abrüstung als Voraussetzung für eine stabile Friedensordnung.

Absoluter Pazifismus (strenger Antikriegspazifismus)
Position, nach der jede Form von Gewaltanwendung – insbesondere militärische Gewalt – moralisch unzulässig ist und Krieg grundsätzlich abgelehnt wird; sie beruht häufig auf einem unbedingten Tötungsverbot oder religiösen Gewaltfreiheitsgeboten.

Antimilitarismus
Kritik an militärischen Institutionen als strukturellen Ursachen von Gewalt. Militärische Strukturen können – auch unbeabsichtigt – Aufrüstung, Bedrohungslogiken und Machtkonzentration fördern.

Christliche Friedensbotschaft
Zentrale Botschaft des Christentums, dass Frieden, Versöhnung und Gewaltfreiheit dem Willen Gottes entsprechen. In pazifistischer Auslegung wird sie besonders aus der gewaltfreien Praxis Jesu und der Bergpredigt abgeleitet und als Aufruf verstanden, Gewalt zu überwinden und aktiv zum Frieden beizutragen.

Friedensethik
Teilbereich der Ethik, der sich mit den moralischen Voraussetzungen und Bedingungen von Frieden beschäftigt. Sie fragt, wie Gewalt verhindert, Konflikte gerecht gelöst und friedliche gesellschaftliche Ordnungen aufgebaut werden können.

Gewaltfreiheit
Prinzip, Konflikte ohne physische Gewalt zu lösen. Gewaltfreiheit ist sowohl eine ethische Haltung als auch eine politische Strategie.

Gewaltfreier Widerstand
Politischer Widerstand ohne bewaffneten Kampf, etwa durch Protest, Boykott oder zivilen Ungehorsam. Ziel ist es, Machtstrukturen durch gesellschaftlichen Druck zu verändern.

Gerechter Friede
Konzept der Friedensethik, das Frieden nicht nur als Abwesenheit von Krieg versteht, sondern an Gerechtigkeit, Menschenrechte und funktionierende Institutionen bindet. Aus pazifistischer Sicht bleibt jedoch umstritten, ob der Begriff ausreichend klar mit militärischer Gewalt bricht oder teilweise nur eine neue Sprache für sicherheitspolitische Gewaltanwendung darstellt.

Gerechter Krieg
Tradition der politischen Ethik, nach der Krieg unter bestimmten Bedingungen moralisch gerechtfertigt sein könne; pazifistische Kritik bezweifelt jedoch, dass Gewalt gerade unter den Bedingungen moderner Kriege tatsächlich gerecht begrenzt werden kann.

Gewissensfreiheit
Grundrecht, nach dem Menschen in moralischen und religiösen Fragen ihrem eigenen Gewissen folgen dürfen. In der Friedensethik bildet sie eine wichtige Grundlage etwa für die Kriegsdienstverweigerung.

Institutioneller Pazifismus
Ansatz, der Frieden durch internationales Recht, Kooperation und Institutionen sichern will. Beispiele sind die Vereinten Nationen oder regionale Integrationsprojekte.

Menschenwürde
Grundprinzip moderner Ethik und der Menschenrechte. Die Achtung der Würde jedes Menschen bildet eine zentrale Begründung pazifistischen Denkens.

Militärisch-industrieller Komplex
Verflechtung von Militär, Politik und Rüstungsindustrie. Diese kann Eigeninteressen an fortgesetzter Aufrüstung erzeugen.

Nukleare Abschreckung
Sicherheitsstrategie, die Frieden durch die Drohung gegenseitiger Vernichtung sichern soll. Pazifistische Kritik sieht darin eine moralisch äusserst problematische und hochriskante Logik.

Pazifismus
Politische und ethische Haltung, die Krieg und organisierte Gewalt grundsätzlich ablehnt oder radikal begrenzen will. Konflikten soll möglichst vorgebeugt werden; entstehen sie dennoch, sollen sie durch Recht, Diplomatie, Kooperation und zivile Konfliktbearbeitung gelöst werden.

Relativer Pazifismus
Ansatz, der Krieg grundsätzlich als moralisches Übel betrachtet, extreme Ausnahmen jedoch nicht vollständig ausschließt. Ziel bleibt eine möglichst weitgehende Reduktion militärischer Gewalt.

Rechtserhaltende Gewalt
In der politischen Theorie die Idee, dass staatliche, militärische Gewalt zur Durchsetzung oder Verteidigung des Rechts legitim sein könne; pazifistische Positionen warnen jedoch davor, dass auch solche Gewalt leicht in neuen militärischen Gewaltspiralen mündet.

Sicherheitsdilemma
Situation, in der Aufrüstung eines Staates von anderen als Bedrohung wahrgenommen wird. Dies führt zu gegenseitiger Aufrüstung und steigenden Konfliktrisiken.

Strukturelle Nicht-Angriffsfähigkeit
Konzept, nach dem Streitkräfte so organisiert werden, dass sie defensiv wirken, aber kaum für Angriffskriege geeignet sind. Ziel ist es, Misstrauen und Aufrüstungsspiralen zu reduzieren.

Unbewaffneter und entwaffnender Friede
Friedensverständnis, das auf Vertrauen, Dialog und Versöhnung statt militärischer Stärke beruht. Gewalt soll nicht nur beendet, sondern in ihrer Logik überwunden werden.

Versöhnung
Prozess der Wiederherstellung von Beziehungen nach Gewalt oder schwerem Unrecht. Versöhnung umfasst Wahrheit, Anerkennung von Schuld, Gerechtigkeit und die Bereitschaft zu Vergebung.

Völkerrecht
Gesamtheit der rechtlichen Normen, die die Beziehungen zwischen Staaten und anderen internationalen Akteuren regeln. Aus pazifistischer Sicht stellt es einen zentralen Versuch dar, internationale Konflikte durch Recht statt durch Gewalt zu ordnen und Krieg politisch und rechtlich einzudämmen.

Zivile Konfliktbearbeitung
Ansatz der Friedenspolitik, Konflikte mit nichtmilitärischen Mitteln zu lösen. Dazu gehören Diplomatie, Mediation, internationale Kooperation und gesellschaftlicher Dialog.


Literatur

Ide, Tobias. Friedens- und Konfliktforschung. UTB, 2017.

Imbusch, Peter und Ralf Zoll. Friedens- und Konfliktforschung: Eine Einführung. Friedens- und Konfliktforschung. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2010. https://doi.org/10.1007/978-3-531-92009-2.

Lambach, Daniel, Markus Bayer, Felix S. Bethke, Matteo Dressler und Véronique Dudouet. Gewaltfreier Widerstand und demokratische Konsolidierung. Springer International Publishing, 2023. https://doi.org/10.1007/978-3-031-26102-2.

Mühlbauer, Josef und Maximilian Lakitsch. Kritische Friedensforschung: Konzepte, Analysen & Diagnosen. Mandelbaum Verlag, 2024.

Simon, Katrin. Mahatma Gandhis Gewaltfreier Widerstand „Satyagraha“.GRIN Verlag, 2021.

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